Leseprobe "Tote reden zu viel"

Kapitel 1

 

»Ich hasse Halloween.«

 

Wie eine mies gelaunte Rentnerin stand Kaliska am Fenster und spähte hinaus in die Nacht. Es war neun Uhr und eigentlich sollte es draußen mittlerweile ruhiger werden.

Eigentlich.

Aber dank dieses unsäglichen, von der Industrie verhunzten Feiertags, streunten unzählige Kinder und Jugendliche durch die Straßen und machten nicht nur Lärm wie eine Herde Büffel, sondern klingelten auch ständig an ihrer Tür.

Warum zum Teufel sprach es sich nicht endlich einmal herum, dass sie keine Süßigkeiten verteilte? Jedes Jahr dasselbe Drama. Wobei … ein Grinsen breitete sich auf Kaliskas Gesicht aus, als wieder eine Gruppe pickliger Teenager den Weg vom Gartentor zu ihrer Veranda heraufkam.

In weiser Voraussicht ging sie zur Tür und riss diese auf, bevor die Bälger die Klingel drücken konnten.

»Erstens«, sagte sie und sah jedem der Halbstarken in die schreckgeweiteten Augen. »Hier gibt es keine Süßigkeiten für euch zu holen. Zweitens: Wenn ihr es wagt, auch nur ein Blatt Klopapier auf meinem Grundstück zu hinterlassen oder ein einziges Ei an die Fassade zu werfen, finde ich heraus, wo ihr wohnt, und verfluche eure gesamte Familie. Inklusive eurer Haustiere.«

»So läuft das aber nicht«, feixte einer der Teenager. Er lachte leise und stieß seine Kumpels mit der Schulter an, als wäre er der härteste Knochen der Stadt.

Dummer, dummer Junge.

»Oh, habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt?«, fragte Kaliska sanft und beugte sich nach vorn. Dabei rutschte ihr Haar über ihre Schulter, aber die eigentliche Veränderung geschah mit ihrer Aura. Selbst ein Mensch mit dem Verstand einer Ameise begriff, dass er oder sie lieber das Weite suchen sollte.

Kaum einer konnte mit dem umgehen, was sich hinter ihrer menschlichen Fassade verbarg. So auch nicht die vier kleinen Versager vor ihr. Ihre Augen weiteten sich, einer begann zu wimmern und ein anderer klapperte mit den Zähnen.

»S-s-sorry Ma’am«, japste einer von ihnen.

Kaliska grinste noch ein wenig breiter, woraufhin die Teenager sich umdrehten und die Beine in die Hand nahmen. Einer schluchzte sogar.

Zufrieden mit sich richtete sie sich wieder auf und zog die Dunkelheit in ihre Seele zurück. Es war immerhin die Nacht der wandelnden Toten, da sollte sie lieber auf Nummer sicher gehen. Sie wollte gerade zurück ins Haus, als sie eine Bewegung auf der Straße wahrnahm.

Eine Frau stieg aus einem dunklen Wagen, schritt durch das Gartentor und kam direkt auf sie zu. Sie trug kein Kostüm und doch wusste Kaliska, dass ihr Besuch eher mit Saurem als mit Süßem zu tun hatte.

Jetzt hasse ich Halloween noch ein wenig mehr, dachte Kaliska und wartete, bis die Frau auf ihre Veranda getreten war.

»Guten Abend, Detective Gonzales«, sagte Kaliska. »Was kann ich für Sie tun?«

»Ach, Kally«, seufzte der Detective und schob die Hände in die Hosentaschen. »Hör auf mit diesen falschen Förmlichkeiten.«

»Na schön. Habe ich etwas angestellt?«

»Nicht, dass ich wüsste.«

»Kommst du dann vorbei, um Fesselspiele mit mir zu spielen?«, fragte Kally grinsend und streckte die Handgelenke nach vorn. »Mit Handschellen?«

Endlich verschwand der düstere Gesichtsausdruck des Detectives und sie grinste schief. »Tut mir leid, ich passe.«

»Wie schade.« Kally ließ die Hände sinken und trat einen Schritt zur Seite. »Willst du trotzdem reinkommen?«

»Nein, eher nicht.« Darla atmete tief ein und aus, während sie auf ihren Stiefeln vor und zurück wippte.

Kaliska überkam ein ganz mieses Gefühl. »Darla, wir kennen uns lange genug. Spuck es einfach aus.«

»Está bien«, seufzte Darla. Im Schein der Verandabeleuchtung wirkte das Braun ihrer Augen pechschwarz. »Ich brauche deine Hilfe. Es gab da einen Zwischenfall auf dem Friedhof. Ein Grab wurde geschändet.«

»Für Vandalismus bin ich nicht zuständig«, erwiderte Kally und schüttelte den Kopf.

»Es ist nicht nur Vandalismus«, widersprach Darla. »Da war auch Magie im Spiel.«

»So etwas mache ich nur nach Anmeldung, obwohl der Papierkram der reinste Alptraum ist«, sagte Kaliska und verschränkte die Arme vor der Brust. Es baute sich ein unangenehmer Druck hinter ihrer Stirn auf. »Ich dachte, du weißt das.«

»Natürlich weiß ich das.« Darla massierte sich die Nasenwurzel, ihr Handy klingelte gedämpft. Sie ging nicht ran, stattdessen sagte sie: »Hilfst du mir nun oder nicht?«

»Na schön, was genau ist passiert?«

Darla zog einen kleinen Block aus ihrer hinteren Hosentasche, schlug ihn auf und las: »Um halb acht ging der Anruf des Friedhofwärters ein, dass auf dem Gelände etwas Seltsames vorging. Als zwei Beamte vorbeifuhren, haben sie jemanden wegrennen sehen. Ein Grab wurde geöffnet und eine Art Ritual durchgeführt.«

Sofort wurde Kally hellhörig und machte einen halben Schritt auf Darla zu. »Was für ein Ritual?«

»Um das herauszufinden, brauche ich dich«, antwortete Darla. Sie steckte den Block weg, ihr Blick wieder bei Kaliska. »Bitte, Kally. Du weißt, ich wäre nicht hier, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.«

Einige Herzschläge starrten sie sich nur an. Kally wusste, dass sie mitgehen würde, und Darla wusste das auch. Es war frustrierend, aber sie konnte nicht anders. Wer in der Nacht der wandelnden Toten auf einem Friedhof ein Ritual vollzog, der hatte nichts Gutes im Sinn.

Kally seufzte tief. »Gib mir fünf Minuten.«

»Gracias.« Darla lächelte schief. »Ich warte im Wagen.«

Kaliska nickte nur, schloss die Tür und ließ den Kopf in den Nacken sinken. Fast wünschte sie sich die penetranten Rotzlöffel zurück. Da jammern nichts half, ging sie zur Treppe und machte sich auf den Weg nach oben. Sie konnte nicht in ihrem zweitliebsten T-Shirt auf einen Friedhof mit frisch geöffneten Gräbern gehen. Den Verwesungsgestank bekam man nie wieder raus.

Also stieg sie in ein Paar Jeans, streifte sich ein Top über und schnappte sich ihre Lederjacke. Wenigstens davon ließ sich das meiste eklige Zeug gut abwaschen. Sie band sich noch die Haare zu einem Dutt und streifte die Talisman-Armbänder ihres Großvaters über ihr Handgelenk. Sicher war sicher.

»Ich geh noch mal raus!«, rief Kally, als sie auf den Flur hinaustrat.

Aus dem Zimmer direkt an der Treppe fragte eine Frauenstimme: »Wohin?«

»Tote einfangen.«

»Viel Spaß«, kam die undeutliche Antwort. Wahrscheinlich, weil Kaliska mittlerweile wieder im Erdgeschoss war. Vielleicht aber hatte June auch ihren Kopf zurück unter das Kissen gesteckt.

»Ja genau«, brummte Kaliska und schlüpfte in ihre flachen Overknees. »Das wird ein Mordsspaß.«

Exakt vier Minuten, nachdem sie Darla an der Tür zurückgelassen hatte, trat Kaliska hinaus auf die Straße und öffnete die Beifahrertür des Wagens. Wie nicht anders zu erwarten, sah das Auto aus wie eine fahrende Müllkippe.

»Ernsthaft?«, fragte sie und besah sich die leeren Kaffeebecher, die sich auf dem Sitz stapelten.

»Jetzt stell dich nicht so an«, brummte Darla. Sie schob die Pappbecher einfach in den Fußraum, als wäre damit alles erledigt.

Kally verdrehte die Augen, setzte sich und schnallte sich an. »Du hast noch immer einen Saustall.«

»Never change a running system«, erwiderte Darla grinsend. Sie hatte den Motor bereits gestartet und fuhr los.

»Ich kann zwar nicht erkennen, wie dir das Chaos bei deiner Arbeit helfen soll, aber das geht mich ja auch nichts an.«

»Du sagst es.«

Gegen ihren Willen musste Kally grinsen. Sie lehnte den Kopf an die Nackenstütze und sah aus dem Fenster. Beide schwiegen die Fahrt über. Es war eine angenehme Stille, aber je näher sie dem Friedhof kamen, desto mehr Anspannung baute sich in Kaliska auf. Sie war keine Seherin – nicht wie ihre Großtante Josefine, die elende Schreckschraube – aber trotzdem hatte sie ein mieses Gefühl bei der Sache.

Ein richtig, richtig mieses Gefühl.

Das Ganze potenzierte sich noch, als Darla das Auto bei den Polizeiwagen abstellte. Ihre Kollegen hatten mobile Flutlichter auf dem Friedhof aufgestellt, so dass dieser erleuchtet war wie ein Footballstadion. Seltsamerweise war das Gelände mit all dem Licht noch unheimlicher.

»Wem gehört das Grab?«, fragte Kaliska, nachdem sie ausgestiegen war. An Darlas Seite ging sie auf den Friedhof. Unter ihren Füßen hörte sie das leise Wispern der Toten.

»Nolan Cormak«, sagte Darla, nachdem sie ihren Block hervorgezogen hatte. »Zweiundsiebzig Jahre alt, ist vor zwei Wochen an Herzversagen gestorben. Er war pensionierter Makler einer kleinen Versicherungsgesellschaft hier in San Francisco.«

»Also niemand, dem man Geheimnisse entlocken könnte?«

»Sicher nicht.«

»Hm«, murmelte Kaliska. Sie schob die Hände in die Taschen ihrer Jacke. Sie kamen bei dem Bereich an, wo die Flutlichter standen und duckten sich unter dem Absperrband hindurch. Frische Erde türmte sich neben einem Loch auf dem Rasen. Mehrere Polizisten drehten sich zu ihnen um und begegneten ihrem Blick. Einige kannte Kally.

»Gavin«, sagte sie und nickte dem Officer zu, der ihnen am nächsten stand. Dieser tippte sich an die Mütze und ging dann auf Abstand, sowie all seine Kollegen. Niemand wollte an diesem Ort in der Nähe der Hexe sein, was Kaliska ihnen nicht verübeln konnte.

So kam es, dass wenige Augenblicke später nur noch sie und Darla vor dem Loch in der Erde standen und hinunter starrten. Der Sarg war noch geschlossen und schien auch ansonsten unversehrt. Bis auf die Symbole, die jemand mit Blut und Asche auf den Deckel gezeichnet hatte.

Kaliska ging in die Hocke, den Blick starr auf die Zeichen gerichtet. Sie erkannte sie alle, auch wenn einige davon nicht korrekt ausgeführt worden waren. Es waren eindeutig Amateure am Werk gewesen. Dennoch lungerte das Potential des Zaubers in der Luft, prickelte auf ihrer Haut und trieb ihren Herzschlag in die Höhe.

»Das waren keine Profis«, sagte sie leise, wie zu sich selbst. Über und hinter sich hörte sie, wie Bleistift über Papier schabte. Das Geräusch war übertrieben laut in ihren Ohren.

»Warum nicht?«

Als sie Darla ihre Entdeckungen erklärte, fragte diese weiter: »Wie ist das überhaupt möglich? Muss man kein Nekromant sein, um solche Rituale durchführen zu können?«

»Ja und nein«, antwortete Kally. Sie warf einen Blick über die Schulter und erklärte: »Nicht alle, die das Talent haben, wissen auch unbedingt davon.«

»Dios me ayude«, murmelte Darla und zog die Mundwinkel nach unten. »Das heißt, du kennst ihn oder sie nicht.«

»Nein.«

»Wie finden wir dann raus, wer das hier war? Siehst du jemanden, den wir fragen könnten?«

Kaliska erhob sich und sah sich um, doch niemand anderes als die Lebenden waren auf dem Friedhof. Sie schüttelte den Kopf und deutete in das Grab. »Wir könnten Nolan fragen.«

»Nolan?«, fragte Darla, beide Augenbrauen erhoben. »Den Toten?«

»Ja, sonst sehe ich niemanden. Ich dachte, deswegen hast du mich hergeholt.«

»Na ja … ja.« Darla sah nicht glücklich aus, aber das war für Kally nichts Neues. Mochte sie auch akzeptieren, was Kally war, so war Darla das Handwerk dennoch suspekt. Eine kluge Entscheidung, aber Darla war schon immer eine scharfsinnige Frau gewesen.

»Prima«, sagte Kally und ließ sich in das frisch geöffnete Grab gleiten. »Dann geh mal einen Schritt zurück und lass mich meine Arbeit machen.«

Sie hörte hinter sich, wie Darla ihrer Aufforderung nachkam. Das war auch das Letzte, was sie von ihrer Umwelt wahrnahm, denn sie war mitten hinein in den unsichtbaren Nebel aus potentieller Magie gestiegen. Die Luft war so dicht davon, dass es Kaliska schwerfiel, normal weiter zu atmen.

Daher beeilte sie sich, ergriff den oberen Flügel des zweigeteilten Sargdeckels und öffnete ihn. Der süßlich-bittere Geruch der Verwesung stieg ihr in die Nase und sie verzog das Gesicht. Nekromantin oder nicht, es stank auch für Kally entsetzlich.

Nolan Cormak hatte die Zeit unter der Erde nicht gut getan. Sein Fleisch war grau, mit schwarzen Flecken bedeckt und teilweise aufgedunsen. Er bot keinen schönen Anblick. Zu ihrem Glück konnte sich Kaliska beeilen, denn der unbekannte Beschwörer vor ihr hatte die meiste Arbeit am Ritual vollzogen.

So waren nur wenige Korrekturen an den Symbolen auf dem Sargdeckel nötig, damit die Beschwörung funktionierte. Während Kaliska zeichnete, zog sich die Magie um sie herum fester zusammen, verband sich mit der in ihrem Inneren und sickerte langsam in die Leiche. Es erforderte einiges an Konzentration, damit die Magie nicht auch auf die Toten in den anderen Gräbern überging. Auf einem Friedhof zu arbeiten war immer so verdammt anstrengend.

Aber Kaliska war keine Anfängerin mehr, sie hatte ihre Lektionen alle gelernt und wusste, wie sie arbeiten musste. Heute Nacht würde es nur einen wandelnden Toten geben.

»Nolan Cormak«, sagte Kaliska leise, fast sanft, als es Zeit zum Aufwachen war. »Ich rufe deinen Geist vom Totenreich zurück in deinen Körper.«

Augenblicklich ging ein Ruck durch den Leichnam und es ertönte ein Knacken und Schmatzen, als er sich aufsetzte. Sein linker Arm blieb liegen, was seltsam grotesk aussah. Kally ignorierte es und sah stattdessen in die milchig-trüben Augen des Mannes.

»Hey, Nolan. Mein Name ist Kaliska und es tut mir echt leid, dass ich dich stören musste.«

»Schon gut, Schätzchen«, antwortete der alte Mann heiser und lächelte. Aber auch nur mit einer Gesichtshälfte, die andere rutschte ihm langsam vom Schädelknochen. »Was kann ich für dich tun?«

»Jemand anderes hat versucht dich auszugraben. Weißt du vielleicht, wer das gewesen sein könnte?«

»Nein«, sagte Nolan sofort und schüttelte den Kopf. Mehr von seinem Gesicht sackte herunter.

»Sind Sie sich sicher?«, fragte Darla hinter ihr. Nolan hob den Kopf.

»Das ist Detective Gonzales«, erklärte Kally. Manche Tote reagierten eigenartig auf die Lebenden, wenn der Nekromant nicht als Vermittler diente. Nolan Cormak hingegen schien nicht dazu zu gehören.

»Ja, Ma’am«, antwortete er. »Ich habe nie etwas von Wert besessen, geschweige denn irgendetwas gewusst. Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, mich zu rufen.«

»Hast du denn mitbekommen, wer sich an deinem Grab zu schaffen gemacht hat?«

Wieder schüttelte Nolan den Kopf. »Das Letzte, woran ich mich erinnere, bevor du mich gerufen hast, ist, dass mir die Brust wehtat und ich auf den Boden gefallen bin. Das war verflucht unangenehm.«

»Ja, sterben ist nichts für Feiglinge«, erwiderte Kaliska amüsiert. Sie drehte sich um und sah zu Darla. »Hast du noch Fragen?«

Trotz ihrer Latina-Bräune sah der Detective ganz blass aus.

»Nein, habe ich nicht«, sagte Darla gepresst. Ganz so, als versuche sie, nicht zu viel zu atmen.

Kally wandte sich wieder an Nolan. »Dann schicke ich dich wieder schlafen, ja?«

»Danke«, erwiderte er und zum ersten Mal sah er an sich herunter. »Dieser Körper hat endgültig seine besten Zeiten hinter sich.«

»Da muss ich dir leider rechtgeben«, erwiderte Kaliska grinsend. »Bye, Nolan.«

»War mir ein Vergnügen«, brummte der alte Mann, zwinkerte und legte sich zurück in den Sarg. Kally nahm ein wenig Erde und rieb über die Symbole auf dem Holzdeckel. Sofort sackte Nolan in sich zusammen und war fort. Nichts weiter als verwesendes Fleisch war übrig.

Kally schloss den Sarg, wischte sich die Erde von den Händen und stieg aus dem Grab. Sie hatte sich gerade wieder aufgerichtet, da rief jemand hinter ihr ihren Namen. Als sie sich umdrehte, sah sie einen großgewachsenen Mann mit dunkelblonden, unordentlichen Haaren und in einem weißen Overall auf sie zukommen. Er lächelte sie schief an und obwohl es nicht gerade glücklich aussah, wusste Kally, dass er sich freute, sie zu sehen.

»O Mann, Logan«, sagte sie grinsend, »du hast echt Pech mit deinen Schichten in der Pathologie.«

»Einer muss es ja machen.« Logan zuckte mit den Schultern und warf einen Blick in die Grube. »Ich wäre aber froh gewesen, wenn du nicht schon wieder mit den Toten herumgespielt hättest.«

»Die Idee ist ursprünglich auch nicht auf meinem Mist gewachsen«, antwortete Kally und warf Darla einen bedeutungsvollen Blick zu.

Diese verdrehte die Augen. »Schau mich nicht so an.«

»Seid ihr denn fertig?«, fragte Logan. Dabei deutete er mit einem Kopfnicken zu dem Grab.

»Ja, ich hab alles«, erwiderte Darla, ehe sie sich an Kaliska wandte. »Komm, ich bring dich zurück nach Hause.«

Kally nickte, dann wandte sie sich mit einem Lächeln an Logan. »Wir sehen uns.«

»Morgen hab ich frei«, sagte er und wackelte mit den Augenbrauen, was Kally zum Lachen brachte.

»Dann komm doch auf einen Kaffee vorbei.«

Logan reckte einen Daumen in die Höhe, dann widmete er sich Nolan. Immerhin hatte er mit ihm nicht viel Arbeit, schließlich war die Todesursache bekannt und er musste ihn nicht in die Leichenhalle schaffen.

An Darlas Seite ging Kally zurück auf den Parkplatz. Dabei wischte sie sich die Hand an einem Taschentuch ab. Zuhause würde sie mit Salz und Kräutern die Reste des Zaubers abreiben müssen. Er kribbelte noch immer unangenehm an ihren Fingerspitzen.

Sie hatte sich wieder auf den Beifahrersitz sinken lassen, als Darla neben ihr fragte: »Bist du sicher, dass mit Logan nichts läuft?«

Sie hob den Kopf und sah den Detective mit einem Grinsen an. »Ist da jemand eifersüchtig?«

»Nein«, erwiderte Darla mit einem Lächeln. »Aber ich bin neugierig.«

»Du weißt doch, dass wir Nachbarn sind und er öfter bei mir zu Besuch ist.«

»Das schon, aber vielleicht hat sich ja in den letzten zwei Jahren etwas daran geändert? Dass er nicht ›nur zu Besuch‹ bei dir ist.«

Kaliska lachte, denn Darla hatte tatsächlich die Hände gehoben und Gänsefüßchen in die Luft gezeichnet.

»Wie alt bist du? Dreizehn?«, fragte sie noch immer lachend.

Darla grinste nur, startete den Motor und fuhr los. Die Stimmung zwischen ihnen war deutlich entspannter als auf der Hinfahrt. Das änderte sich, als sie vor Kaliskas Haus ankamen und Darla noch mit ihr zusammen ausstieg.

Über das Dach des Wagens hinweg fragte sie: »Du hast wirklich keinen Tipp für mich, wer das gewesen sein könnte?«

»Nein, tut mir leid.«

»Wäre auch zu schön gewesen«, seufzte Darla. Sie wollte noch etwas hinzufügen, als ihr Blick an Kaliska vorbei ging. »Oh, ich glaube, du hast Besuch. Du hast vorhin gar nicht erwähnt, dass du wieder jemanden gefunden hast.«

»Ich finde sie nicht, sie finden mich«, widersprach Kaliska. Dennoch lächelte sie, als sie sich umdrehte und die zwei Gestalten entdeckte.

»Wie auch immer, viel Glück«, seufzte Darla. »Danke für deine Hilfe heute. Hasta luego.«

»Ich schicke dir die Rechnung!«, rief Kally, als Darla schon eingestiegen war. Sie trat einen Schritt zurück und sah zu, wie Darla eine Hand hob und dann den Wagen startete. Kally blieb auf dem Gehweg stehen, bis Darla um die Kurve gebogen war, dann wandte sie sich ihrem Haus und der zusammengesunkenen Gestalt und dem alten Mann daneben auf der Veranda zu.

Immerhin konnte es nicht schlimmer werden als Halloween auf einem verdammten Friedhof. Ein Grinsen auf dem Gesicht setzte sich Kally in Bewegung, um ihren neusten Streuner kennenzulernen.

Release am 01.09.2022